5.4.2012 – Wormser Zeitung

Von Johannes Götzen

Die Heilige Anna im Wormser Dom ist restauriert

Die Heilige Anna steht wieder auf ihrem angestammten Platz oben am Pfeiler im Kirchenschiff, direkt gegenüber von Joachim, der schon einige Monate wieder dort zu bewundern ist. Es sind die beiden ersten nun komplett sanierten Figuren, was dank großzügiger Spender möglich geworden ist. Nun hofft der Dombauverein, dass sich weitere Spender finden, denn auch die anderen Heiligen-Figuren sollen saniert werden. Zusagen gibt es bereits für den Heiligen Nepomuk, weiß Dombauvereins-Vorsitzender Dr. Udo Rauch zu berichten. Weitere Spender sind aber herzlich willkommen, es gelte noch die Theresa sowie Sebastian und Antonius zu sanieren.

Dass diese Sanierung der Heiligen-Figuren ein ausgesprochen lohnendes Projekt ist, beschreibt Dompropst Engelbert Prieß anhand der nun in altem Glanz erstrahlten Heiligen Anna. Das ist nahezu wörtlich zu nehmen, denn als die Figur Ende vergangenen Jahres herab genommen wurde, war ihr Gesicht eher grau und fahl, jetzt, nach gründlicher Reinigung und Ausbesserung sei die Mutter Mariens gerade zu aufgeblüht und erscheine wieder mit rosa Haut. Es zeige sich auch die große Kunst des Bildhauers, so Dompropst Engelbert Prieß. Denn bei der Restaurierung auf dem Boden stehend habe die Heilige Anna streng geblickt, fast böse. Nun aber, wo sie wieder in einigen Metern Höhe steht, blicke sie Milde ins Kirchenschiff herab. Der Künstler habe um die Wirkung der Höhe genau gewusst.

Wie berichtet war bei der Restaurierung auch der Name dieses Künstlers entdeckt worden: der Vergolder Johann Michael Bernhard Staudenmayr. Der allerdings hatte kein leichtes Leben, wie die Recherchen des Stadtarchives ergaben. Mitte der 1750er-Jahre kommt er nach Worms, bittet mehrfach darum, als „Beisasse“, also Einwohner der Stadt ohne volle Bürgerrechte, aufgenommen zu werden, was stets abgelehnt wird. Mehrfach fordert der Rat ihn auf, die Stadt zu verlassen. Trotzdem lebt und arbeitet er 28 Jahre hier quasi als „Illegaler“, bevor er am 22. Juni 1785 mit 51 Jahren stirbt. Restauratorin Iris Uhrig allerdings spricht heute mit großer Hochachtung von der Kunstfertigkeit Staudenmayrs.

Fenster in Seitenschiff werden erneuert

Der Umsetzung nähert sich das nächste große Projekt des Dombauvereines: Die sechs Domfenster im südöstlichen Seitenschiff werden erneuert. Rund 200 000 Euro werden sie kosten, Geld, das von der Stiftung des SAP-Mitbegründers Hans-Werner Hector gespendet worden ist.

Dompropst Engelbert Prieß kann berichten, dass nach dem „weißen Sonntag“ eine Spezialfirma ein Gerüst aufbauen wird, was acht Tage Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Fenster sind bereits gefertigt und sollen dann innerhalb von 14 Tagen eingebaut werden. Bis Pfingsten könne alles abgeschlossen sein, hofft der Dombauverein.

FOTO: PHOTOAGENTEN/ALESSANDRO BALZARIN

Die Heilige Anna ist nach der Restaurierung wieder zurück auf ihrem angestammten Platz, oben am Pfeiler im Kirchenschiff.