25.5.2012 – Wormser Zeitung

Von Johannes Götzen

Neue Fenster des Wormser Doms zu Pfingsten fertig

Die Farben sind nicht so intensiv, vor allem das Grün wirkt sehr hell, fast blass, das Rot neigt beinahe etwas zum Orange hin. Das ist so gewollt, bewusst sind die neuen Fenster im südöstlichen Seitenschiff des Doms nicht so farbintensiv wie die anderen Fenster, es soll ausreichend Licht vor allem in den Altarbereich fallen, ohne dabei zu blenden. Seit gestern sind die Gerüste verschwunden, rechtzeitig zu Pfingsten konnte der Einbau der Fenster im so genannten Querhaus auf der Südseite des Domes beendet werden. Finanziert werden konnte dies durch die großzügige Spende über 200 000 Euro durch die Hector-Stiftung, freut sich Dombauvereins-Vorsitzender Dr. Udo Rauch und kündigt gemeinsam mit Dompropst Engelbert Prieß noch eine offizielle Übergabe später im Jahr an, da der SAP-Mitbegründer Hans-Werner Hector derzeit nicht im Land ist.

Glas teilweise strukturiert

Bislang waren hier schmucklose, helle Fenster, einen Plan, wie es einmal aussehen sollte, gab es allerdings schon viele Jahre. Architekt Jürgen Hamm zeigte jetzt den Mitgliedern des Dombauvereins einen so genannten „Nummerierungsplan Fenster“ aus dem Jahr 1980. Seit einigen Jahren war zudem ein Musterfenster auf der nördlichen Seite eingebaut, an dem auch die Wirkung des Lichteinfalles ausprobiert wurde. Es stammt von der Künstlerin Marie Theres Werner aus dem Atelier Weigmann, die auch für die jetzt insgesamt sechs neuen Fenster schon vor einiger Zeit Entwürfe angefertigt hatte. Diese Entwürfe in Aquarell auf Karton habe man zunächst noch einmal prüfen lassen, blickte Architekt Hamm zurück und erinnerte dabei zugleich an das große Fenster hinter dem Hochalter von Balthasar Neumann, das auch erneuert werden musste: „Sie erinnern sich ja, wie lange wir da herumlaboriert haben.“ Bis eben genau die richtige Farbabstimmung gefunden ist, braucht es Zeit, zudem müssen auch die kirchlichen Institutionen noch einbezogen werden. Marie Theres Werner habe schließlich noch einmal neue Entwürfe erstellt, viele Grüntöne sind dabei, weil sie mit dem roten Sandstand gut korrespondieren, außerdem Goldtöne, passend zur barocken Ausstattung des Altarraumes.

Die Gestaltung der Fenster weist in der äußeren Umrahmung eine Gemeinsamkeit aus, die einen Zusammenhang ergibt. Das Glas ist mundgeblasen, aber ansonsten durchaus unterschiedlich, etwa in der Textur, manche Teile weisen also strukturierte Oberflächen aus. Das allerdings sieht der Betrachter von unten kaum, es hat aber wiederum beim Lichteinfall eine bestimmte Wirkung. Architekt Hamm, der in dieser Woche erst den Einbau der Fenster abgenommen hatte, konnte noch von weiteren „Tricks“ berichten. Etwa, dass in den farbigen Flächen an vielen Stellen sozusagen „Löcher“ sind, also Punkte ohne Farbe. Wiederum ist dies von unten praktisch nicht zu erkennen, es bewirkt aber, dass mehr Licht einfällt. „Das sorgt für Transparenz“, beschreibt Hamm den Effekt.

FOTO: PHOTOAGENTEN / ALESSANDRO BALZARIN