28.03.2018 – Wormser Zeitung

Nach 69 Jahren werden im Wormser Dom wieder Glocken geweiht

Bimmel, bimmel! Glockenankunft und -weihe sind auch für Kinder ein besonderes Erlebnis. Foto: dpa
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Von Claudia Wößner

WORMS – 69 Jahre ist es her. Damals war mit Albert Stohr ebenfalls ein Mainzer Bischof am Ostermontag im Dom zu Gast, um Glocken zu weihen. Bis gestern ist es das letzte Mal gewesen, dass Glocken für das Wormser Wahrzeichen geweiht wurden.

Während Peter Kohlgraf gleich fünf neue Glocken weihen darf, waren es drei, die Albert Stohr im Jahr 1949 vor sich stehen hatte, um sie mit Weihwasser zu besprengen. Die drei Glocken, die Stohr Petrus und Paulus sowie Maria und dem Heiligen Konrad geweiht hat, hängen heute noch im Dom. Das Trio ist ein Notgeläut. Es ist der Ersatz für die Glocken, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Aus Respekt vor der Leistung der Menschen in den Nachkriegsjahren, so sagt Tobias Schäfer, Propst am Dom, habe es nie zur Debatte gestanden, die drei Glocken aus dem Dom zu entfernen und künftig ausschließlich die fünf neuen Glocken läuten zu lassen. In den Trümmern von 1949, berichtet Schäfer, seien die Glocken und die Glockenweihe für die Menschen damals ein Zeichen der Hoffnung gewesen. Die drei Notgeläut-Glocken dürfen also bleiben und warten nun für das erste gemeinsame Geläut auf ihre Schwestern, die Peter Kohlgraf jetzt geweiht hat.

Aber was bedeutet Weihe eigentlich? „Weihe bedeutet immer, dass etwas Gott übereignet wird“, erklärt Tobias Schäfer. „Wenn eine Kirche geweiht wird, hört sie auf, einfach nur ein für den weltlichen Gebrauch errichtetes Gebäude zu sein, und wird ‚Haus Gottes‘, sie gehört damit formell Gott“, fügt der Propst am Dom hinzu. Deshalb sei eine Kirche auch der persönlichen Verfügung entzogen und dürfe nicht ohne Weiteres für weltliche Zwecke benutzt werden. Ähnlich ist das bei der Glockenweihe: „Die Glocken werden durch diesen Akt Gott übereignet, sie ‚gehören‘ dann ihm“, erläutert Tobias Schäfer. Die Glocken dienen fortan nur noch dem Gottesdienst und zur größeren Ehre Gottes. Das war bei der Weihe im Jahr 1949 nicht anders als bei der Weihe 69 Jahre später. Und bei Bischof Albert Stohr auch nicht anders als bei Bischof Peter Kohlgraf.

DAS ACHTSTIMMIGE GELÄUT

Mit den fünf neuen Glocken wird das Domgeläut achtstimmig.

Neben den vorhandenen Glocken Petrus und Paulus, Maria sowie der Heilige Bruder Konrad läuten künftig der Heilige Amandus und der Heilige Rupert, der Heilige Heribert, der Heilige Petrus Faber SJ sowie der Heilige Hanno. Die schwerste Glocke der drei vorhandenen ist Petrus und Paulus mit rund 2,2 Tonnen Der Heilige Amandus und der Heilige Rupert setzen mit 2,7 Tonnen gewichtsmäßig noch einmal etwas drauf.