07.04.2018 – Wormser Zeitung

Neue Glocken für Wormser Dom: 100-Tonnen-Kran geht ab Dienstag ans Werk

Foto: Rudolf Uhrig

Von Claudia Wößner

WORMS – Welches Objekt ist das stärkere? Das Spiel „Stein, Schere, Papier“ lebt von dieser Frage. Aber Schnick-Schnack-Schnuck am Dom? Mit der Frage: Was ist stärker – Metall oder Stein? Bei der Vorstellung, dass die neuen Glocken und die Steine des Doms sich in der nächsten Woche gegenseitig Schaden zufügen könnten, wird Jürgen Hamm nervös. Das Kopfkino, was passieren könnte, wenn Metall auf Stein schlagen sollte, geht los. „Ich bin wahrscheinlich aus Unkenntnis nervös. Die Glockenfachleute sind entspannt“, sagt der Architekt, der an den Türmen des Doms beinahe jedes Detail kennt.

Die fünf neuen Glocken werden am Dienstag und am Mittwoch in die Osttürme des Gotteshauses gewuchtet. Der Zeitplan dafür steht fest. Besonders spektakulär wird es am Mittwoch. Ab 11 Uhr morgens hebt ein 100-Tonnen-Kran vier der fünf neuen Glocken in den nördlichen der beiden Osttürme. In diesem Nordostturm läuteten schon seit vielen Jahren keine Glocken mehr. Hamm schätzt, dass es am Mittwoch drei bis vier Stunden dauern wird, bis die Glocken heil oben angekommen sind und der Turm wieder zum Glockenturm wird. Unter den Klangkörpern, die im Nordostturm ihren Platz für die nächsten Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte einnehmen werden, ist auch das Schwergewicht des neuen Domgeläuts: die rund 2,7 Tonnen schwere Glocke, die dem Heiligen Amandus und dem Heiligen Rupert geweiht ist.

Künftig jeweils vier Glocken in den Osttürmen

Um so viel Metall in einem Turm zu hieven, braucht es Platz. Raum, der erst geschaffen werden musste. Aus den Laibungen, so berichtet Hamm, wurden Steine herausgenommen. Es sind vier Quader an der Zahl, jeweils mit einer Höhe von 30 bis 35 Zentimetern. Wenn die Glocken wohlbehalten im Turm verschwunden sind, sollen die Steine wieder eingesetzt werden. Allein schon bis der Kran die Glocken überhaupt erst in die Höhe heben kann, muss vorher Schwerstarbeit geleistet werden. Die Klangkörper, die derzeit noch im Westchor ausgestellt sind, werden ins Freie gebracht, dort auf einen Tieflader gehoben und dann in Richtung Turm verfrachtet, wo der Kran auf sie wartet.