Das Domgestühl erstrahlt im neuen Glanz

Die Werkstatt des Mainzer Hofschreiners Franz Anton Herrmann schuf im 18.Jahrhundert die Chorgestühle des Wormser, des Mainzer und des Speyrer Domes.

Kriegsbrände haben Schäden hinterlassen und das Gestühl im Speyrer Dom völlig zerstört. Vollständig erhalten sind die Chorgestühle in Worms und Mainz. Seit 2008 wird das Chorgestühl im Wormser Dom restauriert. Das aus Eichenholz geschaffene Werk entstand vermutlich in den Jahren 1754-58/59.

Das Gestühl wurde zwischen den beiden Vierungspfeilern errichtet mit jeweils vierzehn hinteren Sitzplätzen. Diese Einteilung wird nach oben hin durch ebenso viele Felder übernommen, welche sich im rhythmischen Wechsel von Rokokorahmen, Pilaster und Atlanten bis zum Lambrequinfries gliedernund von einem breiten Gesims überhöht sind. Die Brüstungsfelder mit außergewöhnlich detailfreudigen Musikinstrumenten bilden den oberen Abschluss, zusätzlich mit Vasen bekrönt. Prächtige Rokokokartuschen von St. Petrus und dem bischöflichen Wormser Wappen umrahmt von Putten, sowie kleinere Wappen von Domkapitelmitgliedern sind weitere Zierelemente. Das Chorgestühl wurde vollständig in Eichenholz gearbeitet und besitzt an Zierelementen wie Atlanten, Putten, Rocaillen und Profilen unterschiedliche Vergoldungstechniken. Das Gestühl zeigte sich vor Beginn der Restaurierung in einem dunklen Lasuren überarbeitet. Die Konstruktion ist teilweise verformt, Teile sind abgebrochen. Die Vergoldungen sind deutlich beschädigt, mit starken Dislozierungen, Fehl- und Aufbruchstellen und unsachgemäßen Übermalungen. ebenso ihre Spuren wie die Einflüsse des Krieges.

In Zusammenarbeit mit dem Diözesankonservator und Leiter der kirchlichen Denkmalpflege des Bistums Mainz, Herrn Dr. Kotzur, sowie der staatlichen Denkmalpflege wurde ein Restaurierungskonzept entwickelt, welches die Substanzerhaltung in denVordergrund stellt. Darin ist die Konservierung und Festigung aller losen Partien enthalten, die Oberflächenreinigung und Firnisabnahme der aufliegenden Lasuren und Übermalungen, um das düstere Erscheinungsbild zurückzunehmen und den Bruch
zwischen heller Oberzone und den dunklen Unterbereichen zu reduzieren. Zusätzlich soll eine gereinigte und geschlossene Vergoldung wiedergegeben werden. Den Abschluss bildet ein Schutzüberzug.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Restaurierung an großen Bereichen des nördlichen Chorgestühls abgeschlossen. Durch die Abnahme von verbräunten Firnisschichten und Übermalungen werden unterschiedliche Vergoldungstechniken, welche Hochglanzvergoldungen und Mattvergoldungen gegenüberstellen, deutlich ablesbar. Das Eichenholz ist aufgehellt und zeigt sich mit seiner leicht rötlich warmen Oberfläche. Dabei ist zu berücksichtigen, dass oberstes Prinzip nicht die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes ist, sondern die Konservierung und der Substanzerhalt im Vordergrund stehen und Gebrauchsspuren sowie Alterserscheinungen ablesbar bleiben. Damit behält das Chorgestühl seine Würde ausstrahlende Präsenz ohne neu zu wirken, eben seinem Alter angemessen.

Iris Uhrig, Restauratorin