Erster Bauabschnitt

WESTGRUPPE

Die Instandsetzung der Westgruppe, bestehend aus dem Westchor, den beiden westlichen Türmen und dem Mittelturm, begann im Jahr 2001 mit der Vorbereitung der Bauarbeiten im bischöfl ichen Ordinariat. Kostenschätzungen und Bauablaufplanungen wurden vorgenommen, Förderanträge gestellt und eine Baukommission zusammengestellt. Hier sollte ein restauratorisches Konzept begleitend mit den ersten Baumaßnahmen erarbeitet werden, welches dann als Grundlage und Entscheidungshilfe für die weiteren Arbeiten dienen sollte. Da Erkenntnisse über die Westgruppe hinsichtlich der Mörtelzusammensetzung, der Steinqualität und ihrem baulichen Zustand nicht in ausreichendem Maße vorlagen, wurde zudem beschlossen, zunächst eine so genannte Musterachse auszuführen. Hier sollten Bauabläufe, Techniken, Oberflächenbearbeitungen und Materialien erprobt werden. In einem Auswahlverfahren wurde für die Bauleitung ein Architekturbüro mit entsprechender Qualifikation gesucht. Die Entscheidung fiel im Jahr 2001erfreulicherweise auf unser Büro. Für die Musterachse wurde die Südseite des Westchores ausgewählt, die zugehörige Dachfl äche und zur Vervollständigung auch ein Teil des südwestlichen Flankenturmes. Noch zum Ende des Jahres wurden Vermessungen vorgenommen, um für die Arbeiten eine genaue Plangrundlage zu erhalten. Dazu wurde die Westgruppe mit großen Hubsteigern befahren, lückenlos fotografi ert und anschließend das auf Glasplatten abgenommene Fotomaterial in Computerpläne umgesetzt. Dieses aufwändige Verfahren garantiert geringste Maßabweichungen von ca. 5 mm auf die Höhe des Domes. Auf Grundlage der Pläne wurden die Arbeiten an der Musterachse im Frühjahr 2002 mit den Gerüstbauarbeiten begonnen. Da die Instandsetzung der wertvollen Quaderfl ächen das eigentliche Ziel der Arbeiten ist, sollten die Flächen vor der Vielzahl der für den Gerüstbau notwendigen Bohranker geschützt werden. Das Gerüst wurde mit einer Hilfskonstruktion in der Galerie des Chores zurückverhängt, ebenso das Dachgerüst, welches sich in der Galerie des Mittelturmes festhielt. Das Turmgerüst konnte regulär in den Putzfl ächen des Turmes verankert werden. Die Ausführung der Natursteinarbeiten begann dann im späten Frühjahr 2002 und verlief bis in den Winter. Erodierte Fugen mussten ebenso ausgebaut werden wie sich ablösende Steinersatzmassen, die bei der letzten Restaurierung zum Einsatz kamen. Auch zerfallene Quader wurden im geringen Maße ausgetauscht. Die aufsitzenden Krusten auf den Oberflächen, die den Wasserhaushalt der Steine behinderten, wurden durch eine Reinigung mit feinem Glasmehl, welches mit geringem Druck aufgeblasen wurde, angedünnt. Die Aufnahme- und Abgabefähigkeit ist nun wieder reguliert. Putzmuster wurden angelegt und die Art der Oberflächenbearbeitung ermittelt: Ein 4/5 Putz, der die Steinköpfe freihält und an die angrenzenden profi lierten Quader anschließen kann. Zusätzlich zur Einfärbung des Putzmaterials wurde eine Lasur aufgebracht, die sich an vorgefundenen Farbbefunden orientiert. Schon früh lag ein besonderer Augenmerk der Baukommission auf den Figuren der Säulenbasen in der Chorgalerie. Nicht nur die direkte Bewitterung, auch das seit Jahrhunderten direkt ablaufende Dachwasser machte den Figuren, insbesondere im letzten Jahrhundert, zu schaffen. Historische Fotografi en zeigten noch alle Figuren vollständig. Der Zerfall erfolgte von 1920 bis 1960 im beschleunigten Maße, was wohl an der in diesen Jahren zunehmenden Luftverschmutzung gelegen haben dürfte. Es wurde der Beschluss gefasst, dass eine der Säulen mit Basis ausgebaut und im Labor besonders untersucht werden sollte. Gleichzeitig sollte eine Dachentwässerung entworfen werden, die das Dachwasser gezielt ableitet. Auch durfte der mittelalterliche Dachfuß nicht durch Bohrungen und Halterungen beeinträchtigt werden. Hier galt, dass die Proportionen des Chordaches nicht beeinträchtigt werden sollten. Musterstücke wurden montiert und ihre Wirkung begutachtet. Die im Jahr 2003 ausgeführte Rinne erfüllt diese Bedingungen. Die Laborergebnisse der Säulenuntersuchung waren besser als erwartet. Zwar war bis in eine gewisse Tiefe die Steinoberfl äche durch eine Durchsetzung mit Gips verfestigt, dies jedoch nur in moderatem Maße, welches keinen Handlungsbedarf auslöste. Die Bildwerke können also an dem Ort bleiben, für den sie gemacht sind. Aus den Erkenntnissen der Musterachse wurden die nachfolgenden Arbeiten zusammengestellt. Durch den notwendigen Arbeitsablauf von oben nach unten, um Verschmutzungen von fertig restaurierten Bereichen durch Folgearbeiten zu vermeiden, wurden als nächster Abschnitt die beiden Turmspitzen ab den Galerien einschließlich der Turmdächer und der Mittelturm instand gesetzt. Da das Dach des Chores nicht belastet werden darf, wurden die beiden Türme mit einer stählernen Unterkonstruktion verbunden und das Gerüst daran abgehängt. Von diesen Arbeitsebenen konnten die Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden, die im Wesentlichen dem oben genannten Programm folgten. Allerdings zeigte der Helm des Mittelturmes unerwartete Phänomene: Ab der achten Mauerlage waren alle Fugen fingerbreit aufgerissen, das Dach war in diesem Bereich um ca. 10 cm angehoben. Beim Wiederaufbau im Jahr 1906 wurden, wie schon im Mittelalter, Stahlklammern zwischen den einzelnen Steinen eingebaut. Allerdings reagiert der neuzeitliche Stahl schneller auf die Umwelteinflüsse, korrodiert und vergrößert so sein Volumen um ein Vielfaches. Der Helm des Mittelturmes musste abgebaut, die Quader gereinigt werden. Die eisernen Klammern wurden ausgebaut, durch Edelstahlteile ersetzt und die Steine wieder neu in Blei versetzt. Das Kreuz an der Spitze des Mittelturmes wurden Ende 2003 wieder aufgesetzt und der Abschnitt konnte fertig gestellt werden. Das aufwändig konstruierte Gerüst konnte in einigen Teilen noch für den nächsten Teilabschnitt, die beiden Turmschäfte, von deren Galerie bis zum Boden, genutzt werden. Bei den Turmschäften mussten die meisten Putzarbeiten ausgeführt werden. Diese Arbeiten waren 2004 abgeschlossen.

Den Abschluss des 1. Bauabschnittes bildete die Bearbeitung des Westchorpolygons. Ein neues Gerüst wurde montiert, welches im Halbjahresrhythmus, beginnend von Norden, um den Chor gefahren wurde.Auch hier wurden wieder neben dem Restaurierungsprogramm Besonderheiten festgestellt. Risse in der Wandfl äche über eine Länge der gesamten Chorseite von ca. 7 m über dem Rundfenster wiesen wieder auf Rostprobleme hin. Nach Sondierungen wurde wieder ein Stahlbauteil gefunden, welchesaus der Zeit der Wiederherstellung stammt: Die Bogenwirkung der Fensterüberdeckungen hatte in der Vergangenheit den polygonalen Chor an seinen Ecken verformt und im 19. Jh. fast zum Einsturz gebracht. Karl Hofmann, der Architekt der Wiederherstellung, wählte deshalb ein alternativesTragkonzept und baute anstatt der Bogen einen Balken ein. Er wollte jedoch das Bild des Domes bewahren und entschloss sich deshalb, den Balken, mehrere Stahlträger nebeneinander, in die Wand zu verlegen. Leider ist auch dieser Stahl rostanfällig und sprengt die obere Schicht der Wand auseinander. Der äußere Teil des Trägers musste aus der Wand ausgebaut und gegen einen Edelstahlteilträger ausgetauscht werden. Ein schwieriges Unterfangen, von dem heute nichts mehr zu erkennen ist. Die Arbeiten wurden Ende 2006 mit der Südwestseite des Chores abgeschlossen. Unmittelbar im Anschluss konnte gleichzeitig mit der Vorbereitung des 2. Bauabschnittes, der Ostgruppe, begonnen werden.