Siegelbild

Bild: STADTARCHIV WORMS

Soweit ersichtlich ist die älteste Abbildung des Wormser Doms ein Siegelbild:
Unter einem mit zwei kannelierten Rundsäulen und reich profilierten Kapitellen versehenen Klettblattbogen thront der heilige Petrus, Patron des Doms, der Stadt und des Bistums Worms auf einer am oberen Rand mit zwei Löwenköpfen, unten mit Tatzen und Ornamenten geschmückten Kathedra. Wie ein Szepter hält er zwei lange Schlüssel mit nach (heraldisch) rechts oben gerichteten Schlüsselbärten in der rechten und ein geöffnetes Buch in der linken Hand.
Über den Dreipässen erheben sich zwei runde Seitentürme mit mehreren Stockwerken und Fenstergalerien sowie dem mit der Zwerggalerie versehenen Kuppelturm des Doms. Die Darstellung wird eingerahmt von zwei Stadtmauertürmen mit Zinnenkranz über den beiden hohen Turmgeschossen und einem großen geöffneten Stadttor.

In der Umschrift des Siegels ist in einem gereimten Hexameter zu lesen:

TE SIT TVTA BONO WORMACIA PETRE PATRONO
Unter dir, Petrus, seinem guten Schutzpatron, möge Worms sicher sein

Der dazu gehörige Pentameter des Distichons befindet sich als Aufschrift im Kleeblattbogen:

SEMPER ERIS CLIPEO GENS MEA TUTA MEO
Immer wirst du mein Volk unter meinem Schild sicher sein

Das Siegel wurde 1198 für die Stadtgemeinde, deren Verfassung sich damals noch nicht endgültig herausgebildet hatte, gestochen. Es nimmt Bezug auf den Schlusssatz der Freiheitsurkunde des Stauferkaisers Friedrichs Barbarossa von 1184, deren in Bronze gegossenes Abbild über dem Nordportal des Doms angebracht war.

Der erste erhaltene Wachsabdruck dieses Wormser Stadtsiegels ist aus dem Jahre 1249
im Stadtarchiv Worms Abt.1 A II Nr 13a an einer Pergament-Urkunde erhalten geblieben und blieb bis um 1500 im Gebrauch. Der abgebildete Siegelabdruck gehört zu einer späteren Urkunde.

(Abb. und Beschreibung von Gerold Bönnen, in: Die Staufer und Italien, Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa, Band 2, Objekte, Hrsg. Alfried Wieczorek, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter, Mannheim und Darmstadt 2010, S. 273 und Abb. VI.B.4; Kittel, Erich, Siegel, Braunschweig 1970, S. 202, 299, Boos, Heinrich, Monumenta Wormatiensia. Annalen und Chroniken, Berlin 1893, S. XLV, XLVI, Tafel 1 Nr.1 und 2).