Steinbildwerk Christi Geburt

Von der Entstehung her ist dies das jüngste der aus hellgelbem Sandstein gebildeten Kreuzgangreliefs. Es war wie auch die anderen ehedem bunt bemalt und entstand 1515, nachdem 1514 der Neubau des Kreuzgangjochs, in dem es aufgestellt war, ausweislich der Stifterinschrift des Schlusssteins (heute in Karlsruhe) vollendet war.

Ausführende Werkmeister sollen Conrad und Lienhard Seyfer aus Heilbronn gewesen sein.

Stifter war der aus Speyer stammende Kanonikus Jakob Meintzer, dessen Wappen, ein zerbrochenes Rad, zweimal abgebildet ist- auf dem Dach des Stalles und unterhalb der linken seitlichen Konsole, auf der er anbetend vor dem heiligen Petrus kniet.

Gegliederte Pfeiler tragen einen Rundbogen, den in barock anmutender Weise ein Kranz singender und musizierender Flügelputten in einer Wolkenschicht begleitet. In den Pfeilern stehen paarweise unter zierlichen gotischen Baldachinen kleine Heiligenfiguren: links St. Jakobus d.Ä und ein noch zu identifizierender Heiliger, rechts ein heiliger Abt und St. Katharina.
Rechts vom Relief steht ebenfalls auf einer Konsole St. Cyriakus oder St. Stephanus, der vor ihm knienden Mitstifterin in feinem, der Entstehungszeit entsprechenden Kostüm mit Halskrause und gebändigter Frisur die Stola um die Schultern legend.

Maria, mit lang herabwallendem gelocktem Haar, in einen weiten Mantel gehüllt, kniet links im Vordergrund mit gefalteten Händen vor ihrem nackten, auf dem Boden liegenden göttlichen Kind, das auch von zwei Engeln kniend angebetet wird. Rechts daneben steht der bärtige Joseph, über dessen linke Schulter die Axt, Kennzeichen seines Berufs als Zimmermann, liegt. Links und rechts schauen hinter diesen Personen der Ochs und der Esel hervor.

Die Szene spielt vor zwei Steinquaderwänden, die den Stall andeuten. Beide Wände werden durch ein Rundbogentor verbunden, durch das von außen ein Hirte auf die Idylle schaut Auf dem Boden vor der heiligen Familie sind Geröll, Pflanzen und Blumen angedeutet. Auch sind Schnecken und Eidechsen mehrfach in der gesamten Szene zu erkennen.

Über dem Rundbogen links beobachtet debattierend ein älteres Hirtenpaar, der Zeit der Entstehung des Reliefs gemäß gekleidet und auf eine Fensterbank gestützt, das Ereignis.
Hinter diesen beiden Personen befindet sich ein halbzerfallener offener Fachwerkschuppen, mit Stroh gedeckt, durch den hindurch man die Silhouette von Türmen und Mauer des weit entfernten Bethlehem erblickt.
Hinten rechts steht auf steilem Berg eine wehrhafte Burg. Von der Höhe läuft ein Rinnsal zur baumbestandenen Senke. Auf einer kleinen Anhöhe daneben, einer Weide, reckt ein neben seinen Schafen stehender Hirte seinen Kopf weit hoch, hin zu einem über allem schwebenden Engel, der die frohe Botschaft verkündet. Der das „Gloria in excelsis“ singende Engelchor, von dem das Lukasevangelium berichtet, ist auf dem obersten Teil des Rundbogen, der das Relief umschließt, in einem Kranz singender und musizierender Flügelputten zu entdecken, mit vielerlei Instrumenten: Triangel, Zinken, Schelle, Pfeife, Trommel, Stockgeige und Laute. Sie alle tragen mit den Sängern zum Engelkonzert bei.

Die heute fast ganz verschwundenen lateinischen Inschriften sind überliefert. Sie lauten übersetzt (nach Fuchs):

Zum Lobe Gottes, der unberührten Mutter und unverletzten Jungfrauenschaft Mariens und zur Ehre des hl. Petrus, Patrons dieses Hauses, ließ Jakob Meintzer, Licentiat des kanonischen Rechts, dieser Kirche Seniorkanoniker, dieses Bild der geburt Jesu, unseres Erlösers, auf seine Kosten machen.

Im Jahre des Heils 1515 hergestellt, nun im Jahre 60 durch mich Conrad Distel, Kanoniker, vom Schmutz gereinigt.

Und es waren Hirten auf dem Felde; zu denen sagte der Engel: Heute ist der Erlöser der Welt geboren.
Du bist mein Sohn, ich habe dich heute gezeugt.
In seinen Tagen wird die Gerechtigkeit aufsprossen und die Fülle des Friedens.
Das Wort ist Fleisch geworden und wird unter uns wohnen.
Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seine Schulter gelegt; sein Name wird genannt werden Wunderbar, Rat, Gott, ewig Vater, Friedefürst

Bild: STADTARCHIV WORMS