18.11.2017 – Wormser Zeitung

Stiftung spendet 100.000 Euro für die größte Glocke des Wormser Doms

Foto: photoagenten/Andreas Stumpf

Von Johannes Götzen

Vor wenigen Wochen erst war der neue Bischof, Professor Dr. Peter Kohlgraf, in Worms bei der Einführung des Caritasdirektors. Am Donnerstagabend war er erneut nach Worms gekommen, diesmal zur turnusgemäßen Sitzung des Kuratoriums des Dombauvereines. Dessen Vorsitzender Wulf Meier zeigte sich über diese Wertschätzung höchst erfreut, die Runde hieß den prominenten Gast mit Applaus willkommen.

Der Bischof selbst betonte, dass es ihm wichtig sei zu sehen, „was Sie hier alle tun“ und insbesondere eben für dieses Tun einmal Dank zu sagen. Denn durch das Wirken des Dombauvereines und des Kuratoriums könne der Wormser Dom weiter gedeihen. Das habe er in seiner noch kurzen Amtszeit schnell erkannt: Der Wormser Dom sei etwas ganz Besonderes, weshalb das Bistum und der Bischof „ein gehöriges Stück Geschichte tragen“, so Kohlgraf. Wobei er sofort hinzufügte: „Der Dom ist kein Museum!“ Trotz aller kulturhistorischen Bedeutung ist der Dom vor allem Gotteshaus „und Ort der Begegnung, ein Platz, an dem der Mensch zur Ruhe kommen kann“, so der Bischof. Schließlich kündigte er gleich noch an, dass er im kommenden Jahr weiter häufiger nach Worms kommen werde, insbesondere natürlich zu den Terminen rund um die Tausendjahrfeier. Dieses Jubiläum der Domweihe von 1018 beschäftige die Gemeinde natürlich besonders, so Propst Tobias Schäfer. Teil der Feierlichkeiten wird die Weihe der fünf neuen Glocken sein, die für Ostern geplant ist.

Hier berichtete der Propst dem Kuratorium, dass die Kosten dafür steigen, zum einen, weil insbesondere im Glockenstuhl Unvorhergesehenes zutage trat, aber auch, weil man sich entschlossen habe, die Glocken vom Wormser Künstler Klaus Krier gestalten zu lassen. Eine besonders erfreuliche Nachricht hatte dazu der Vorsitzende des Dombauvereines, Dr. Udo Rauch: Auch für die Größte der Glocken konnte ein Spender gefunden werden. Eine Wormser Stiftung, die nicht öffentlich genannt werden möchte, habe 100.000 Euro zugesagt, so Rauch. Das entspreche in etwa den Kosten für diese 2700 Kilogramm schwere Glocke.
Inklusive Installation, Statik, Schallverbesserung und anderem mehr sollte das Glockenprojekt, das der Dombauverein bereits seit drei Jahren vorantreibt, zunächst rund 250.000 Euro kosten, jetzt werden es wohl etwas mehr als 300.000 Euro Gesamtkosten werden, so Rauch. Er zeigte sich keineswegs mutlos, sondern sprach vom Ansporn, nun noch weitere Spender zu finden. Rauch erinnerte daran, dass es richtig war, dass sich der Dombauverein auf Projekte im Inneren des Domes konzentriert habe. 1,4 Millionen Euro habe der Verein seither beisteuern können, womit vor allem das gesamte Barock-Ensemble saniert werden konnte.

Die Außensanierung des Domes läuft sein 2001, Architekt Jürgen Hamm zeichnete den Verlauf seither nach. Im kommenden Jahr wird es eine Pause geben. „Im Jubiläumsjahr wollen wir möglichst kein Gerüst am Dom“, so Propst Schäfer. Ab 2019 bis 2020 soll dann an der Ostgruppe weiter saniert werden. Danach folgt die Südseite, was noch einmal fünf bis sechs Jahre in Anspruch nehmen werde, so Hamm. 2026 könnte die Außensanierung also beendet sein, wenn alles weiter so gut läuft. Bislang jedenfalls sei man im Zeitplan, so Hamm.

Kuratoriumsvorsitzender Wulf Meier vergaß zum Abschluss nicht zu erwähnen, dass dies vermutlich die letzte Sitzung im Liobahaus gewesen sei. Die nächste Zusammenkunft werde voraussichtlich im Haus am Dom stattfinden. Das könnte, wenn die Witterung mitspielt, zu Ostern bezogen werden, so Propst Schäfer.

HEILIGE WERDEN PATRONE DER NEUEN GLOCKEN

Die fünf neuen Glocken werden natürlich Patrone haben. Diese sind Heilige mit einem besonderen Bezug zu Worms. Nicht die Suche nach solchen sei die Herausforderung gewesen, sondern eine Auswahl zu treffen, so der Propst am Dom, Tobias Schäfer.

Die Patrone der vorhandenen Glocken sind die Heiligen Petrus und Paulus, die Heilige Maria sowie der Heilige Bruder Konrad.

Die künftig größte Glocke mit 2700 Kilogramm Gewicht wird die Namen des Heiligen Amandus, des Patrons der Stadt Worms, und des Heiligen Rupert tragen. Beide waren in Worms Bischöfe, Amandus zu Beginn des 7. Jahrhunderts, Rupert an dessen Ende.

Patrone der 1600 Kilogramm schweren Glocke werden der Heilige Heinrich und die Heilige Kunigunde sein. Kaiser Heinrich war von 1002 an deutscher König, später römischer Kaiser, er und seine Frau Kunigunde hatte engen Kontakt zu Bischof Burchard, der Kaiser war auch zur Domweihe in Worms anwesend.

Patron der 500 Kilogramm schweren Glocke wird der Heilige Petrus Faber sein, Mitbegründer des Jesuitenordens und bei den Wormser Religionsgesprächen 1540 als Begleiter des Päpstlichen Legaten in Worms. Papst Franziskus hatte ihn 2013 heiliggesprochen.

Der Heilige Heribert wird Patron der 400-Kilo-Glocke. Er wurde 970 in Worms geboren und war somit Zeitgenosse Burchards. Er zählt zu den großen Kölner Erzbischöfen.

Schließlich wird der Heilige Hanno von Worms Patron der kleinsten, 250 Kilo schweren Glocke. Er wurde im Jahr 950 Bischof von Worms. In seiner Zeit wurde Konrad der Rote im Wormser Dom begraben, das bis heute bedeutendste der Gräber in der Saliergruft.