12.12.2017 – Wormser Zeitung

Wormser Dom – Entwürfe für Glockenzier vorgestellt

Künstler Klaus Krier ist für die Gestaltung der neuen Glocken verantwortlich. Foto: pa/Alessandro Balzarin
Bild: pa/alessandro Balzarin

Von Ulrike Schäfer

16 Glocken erklangen einst von den Türmen des Wormser Doms, es war eines der bedeutendsten Kathedralgeläute am Rhein. Nach den Zerstörungen in zahlreichen Kriegen gab es seit 1949 nur noch ein dreistimmiges Notgeläut. Aus Anlass der Tausendjahrfeier 2018 hat sich der Dombauverein nun das Ziel gesetzt, das Domgeläut auf insgesamt acht Glocken zu erweitern. Fünf neue Glocken werden 2018 in zwei Etappen bei der Glockengießerei Rincker in Sinn gegossen, die drei vorhandenen Glocken werden durch neue Klöppel ertüchtigt.

Heilige als Namensgeber für die Glocken

Wesentliche Schritte auf dem Weg zum neuen Himmelsgeläut, das auf die Geläute der übrigen Innenstadtkirchen im ökumenischen Geiste abgestimmt werden wird, waren die Auswahl von Namen für die Glocken nach altem Brauch und die Gestaltung der Glockenzier, wie man die figürlichen Darstellungen und Inschriften auf der Glocke nennt.

Am Sonntag, nach der Messe, war dazu im Liobahaus eine kleine Ausstellung zu sehen, die über die neuen und alten Glocken und die ausgewählten Namensgeber informierte und die Entwürfe des Künstlers Klaus Krier für die Glockenzier zeigte. Die größte, fast drei Tonnen schwere Glocke wird Amandus und Rupert geweiht. St. Amandus war Anfang des 7. Jahrhunderts einer der ersten Bischöfe von Worms und Stadtpatron; der heilige Rupert Ende des 7. Jahrhunderts Wormser Bischof. Er trug den Glauben weiter nach Bayern und Salzburg. Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde, beide heiliggesprochen, waren Freunde Bischof Burchards, Förderer des Dombaus und bei der Weihe 1018 anwesend.

Der heilige Petrus Faber, Mitbegründer des Jesuitenordens, nahm an den Wormser Religionsgesprächen von 1540 teil und gilt als Kämpfer für Versöhnung und Ökumene. Die vierte Glocke wird nach Bischof Heribert benannt, der seine Ausbildung in der Wormser Domschule genoss. Er wird besonders wegen seiner Großherzigkeit gegenüber den Armen verehrt. Hanno von Worms, ein frommer Ordensmann und ab 950 Bischof von Worms, starb 978 und ist vermutlich im Dom begraben.

Weihe durch Bischof Kohlgraf an Ostern geplant

Alle diese Heiligen hat Klaus Krier nach eingehender Auseinandersetzung mit allem, was man von ihnen weiß, figürlich dargestellt, St. Amandus mit Stadtwappen in der Hand und dem Dom im Hintergrund, St. Rupert mit dem Grundriss der verschwundenen Rupertikirche, das Kaiserpaar mit Bischof Burchard zur Seite. Diese Darstellungen bilden mit freien handschriftlichen und typografischen Elementen eine Einheit. Sie ergänzen sich mit einem außergewöhnlichen Schrifttypus, der reizvolle Akzente setzt, beispielsweise das Schwingen der Glocke aufnimmt.

Derzeit, so berichtete Krier, zeichne er in seinem Atelier jede Glocke in Originalgröße, um die Proportionen von Schrift und figürlicher Darstellung bestimmen zu können. Anschließend werde er alle erforderlichen Elemente als Flachreliefs aus Ton modellieren, die in einer komplizierten Prozedur später als Wachsformen vor dem Gießen auf die Glocke aufgebracht werden.

Klaus Berg vom Verwaltungsrat bedankte sich bei Dr. Udo Rauch, dem Vorsitzenden des Dombau-Vereins, für die großartige Initiative. Dieser ging auch auf die Kosten für die neuen Glocken ein. Man habe das ganze Projekt auf 250 000 Euro kalkuliert, doch die 300 000-Euro-Marke werde wohl überschritten. Die größte Glocke wurde vollständig von einem einzigen Spender finanziert, für die übrigen Glocken sind große Spenden vorhanden, wenn auch noch nicht in ausreichendem Maße. Hier hofft der Verein noch auf weitere Unterstützung.

Am 2. Februar und am 2. März sollen Gemeindefahrten nach Sinn organisiert werden. Am Ostermontag werden die Glocken dann von Bischof Peter Kohlgraf geweiht. An Pfingsten könnten sie erstmals zu hören sein, spätestens aber werde bei der 1000-Jahrfeier das volle Himmelsgeläut erklingen.

ZAHLEN & FAKTEN

Die neuen Glocken:

St.-Amandus-und-St.-Rupert-Glocke, Ton h° – Gewicht ca. 2700 kg, Wert ca. 100 000 Euro

St.-Heinrich-und-St.-Kunigunde-Glocke, Ton d’ – Gewicht ca. 1600 kg, Wert ca. 66 000 Euro

St.-Petrus-Faber-Glocke, Ton a’ – Gewicht ca. 500 kg, Wert ca. 22 000 Euro

St.-Heribert-Glocke, Ton h’ – Gewicht ca. 400 kg, Wert ca. 18 000 Euro

St.-Hanno-Glocke, Ton d’’ – Gewicht ca. 250 kg, Wert ca. 14 000 kg

Das heutige Geläut:

St.-Petrus-und-St.-Paulus-Glocke, Ton c’ – Gewicht: 2218 kg

Marien-Glocke, Ton e’ – Gewicht 114 kg

Bruder-Konrad-Glocke, Ton g’, – Gewicht 653 kg