12.12.2017 – Wormser Zeitung

Stehende Ovationen für Polizeimusikorchester Rheinland-Pfalz im voll besetzten Wormser Dom

Sopranistin Dorin Rahardja gastierte erstmals mit dem Polizeimusikorchester Rheinland-Pfalz im Dom.Foto: photoagenten/Andreas Stumpf
Bild: Photoagenten/Andreas Stumpf

Von Helmut Weick

„Stehende Ovationen hat man selten in diesem Hause.“ Dr. Udo Rauch, Erster Vorsitzender des Dombauvereins, war am Sonntagabend hellauf begeistert. Bereits zum achten Mal war das Polizeimusikorchester Rheinland-Pfalz zum Adventskonzert in die Nibelungenstadt gekommen. Und der Dom war voll besetzt. Was Stefan Grefig und seine Musiker boten, war mal wieder ganz große Klasse.

Zusammen mit der Sopranistin Dorin Rahardja vom Mainzer Staatstheater bescherten die Musiker den Zuhörern einen zauberhaften Adventsabend. Festlich und heiter klang das „Concerto C-Dur“ von Antonio Vivaldi durch die „Heilige Halle“. Schon zu Lebzeiten war der Opernkomponist und venezianische Geigenvirtuose eine Legende. Herausragend beim „Concerto“ die beiden Solo-Trompeten. Eine Spezialität von Vivaldi, der nicht nur dreisätzigen Werken den Weg ebnete, sondern gerade auch Solo-Konzerte zu einer Hauptform in der Musik des Hochbarock machte.

Guilmants Paraphrase über „Tochter Zion“

Vielfältig ging es zu beim Adventskonzert. Und bei aller Verschiedenheit der Werke und Meister hatte das Programm eine klare Linienführung, die sich wie ein unsichtbares Band durch den Abend zog. Dies mit einem Ziel vor Augen: Weihnachten. Dazu gehörten alte Adventslieder wie das „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ aus der Feder von Johann Sebastian Bach, aber auch weltlich-spirituelle Kompositionen und Arrangements, wie die populäre englische Volksweise „What child is this“ nach der traumhaft-schönen Melodie von „Greensleeves“. Vom Ursprung her ein etwas tragisches Liebeslied, auf das sich bereits Shakespeare in seinen „Lustigen Weibern von Windsor“ bezog. Im Konzert ein sehr ausdrucksstarkes und voluminöses Stück. Auch Felix Alexandre Guilmants Paraphrase über „Tochter Zion“ erfüllte den Dom. „Tochter Zion“, das steht in der jüdischen Tradition für „Jerusalem die Stadt“, in der katholischen für die „Gottesmutter Maria“ und in der mittelalterlichen Mystik für die Seele eines gläubigen Christen. All das wurde in Klangbilder übersetzt. Eine ganz starke Passage des Adventskonzertes, die gleich danach mit „Cantique de Noël“ noch eine Steigerung erfuhr. Noch einmal traten Orchester und Solistin hier gemeinsam auf, sehr harmonisch und gut aufeinander abgestimmt. Dorin Rahardja entfaltete ihr Stimmvolumen brillant – eine enorme Bereicherung für das Konzert. Auch Schuberts „Wiegenlied“ rührte an.

Leise Glockenklänge leiteten zum Finale über. Clemens Brentano schrieb im Jahre 1808 den hochdeutschen Text zum Abendlied „Guten Abend – gute Nacht“, Johannes Brahms komponierte 1868 die Melodie dazu. Eigentlich als Liebeslied getextet, gilt es bis heute als der „Klassiker“ der Kinder- und Wiegenlieder. Jubel- und Freudenklänge markierten bei der Ouvertüre „Adeste Fideles“ den krönenden Höhepunkt des Konzertabends. Das Stück – in Deutschland als „Auf gläubige Seelen“ oder „Nun freut euch ihr Christen“ bekannt – stammt aus England. Es brachte die dortige Vorliebe für monumentale und hymnische Weihnachtsmusik zum Ausdruck. Froh und jubilierend über die Geburt Jesu Christi und die Ankunft des Heilands und Retters im Stall zu Bethlehem. Mit besinnlichen Versen zum Advent regten die rheinhessischen Polizeiseelsorger zum Nachdenken und zur Reflexion des eigenen Lebens an. Summa summarum ein fulminantes Adventskonzert und ein besinnlicher Abend. Und Propst Tobias Schäfer verkündete unter Beifall: „Der Termin für 2018 steht bereits.“