11.01.2018 – Wormser Zeitung

Der Wormser Künstler Klaus Krier gestaltet die Verzierungen der fünf neuen Domglocken

Akribisch arbeitet Klaus Krier seine Entwürfe in Ton ein. Sein Ziel: Die Lebendigkeit der Entwürfe auf die Glockenhaut zu übertragen.Foto: Stefan Blume
Foto: Stefan Blume Akribisch arbeitet Klaus Krier seine Entwürfe in Ton ein. Sein Ziel: Die Lebendigkeit der Entwürfe auf die Glockenhaut zu übertragen.

Von Ulrike Schäfer

Im lichtdurchfluteten, großen Atelier von Klaus Krier im Kunsthaus der Prinz-Carl-Anlage macht sich seit Monaten ein einziges Thema breit: die Glockenzier für das neue „Himmelsgeläut“ des Wormser Doms. Unzählige Skizzen, Zeichnungen, Fotografien stapeln sich auf den Tischen, an der Stirnwand ist das Motiv von Glocke zwei in Originalgröße angepinnt, und auf einer Arbeitsplatte im Zentrum des Raumes liegt das Relief für Glocke 4. Es zeigt den Bischof Heribert, der sich besonders um die Armen kümmerte.

Klaus Krier, dessen unverwechselbare Zeichnungen vom Wormser Dom in vielen Haushalten hängen, hat die Anfrage der Domgemeinde für diesen großen Auftrag im Juni 2017 erhalten. „Natürlich war das für mich eine große Ehre“, gesteht er, „aber ich hatte auch einigen Respekt davor, denn für mich war diese Kunstform etwas völlig Neues und das Zeitfenster war relativ knapp. Schließlich sollen die fünf neuen Glocken ja rechtzeitig zum tausendjährigen Domjubiläum im Juni 2018 fertig sein.“

Umso intensiver begann er, sich in die Materie einzuarbeiten. Die einzigen Vorgaben, die er hatte, waren die Namen der Heiligen, denen die Glocken geweiht werden, Amandus, Rupert, Kaiser Heinrich und seine Gemahlin Kunigunde, Petrus Faber, Heribert und Hanno, sowie die dazu gehörigen Inschriften. „Für die Gestaltung hatte ich völlig freie Hand“, sagt Krier. „Auf etwas anderes hätte ich mich allerdings auch nicht einlassen können. Ich kann mich nicht verbiegen.“ So sind denn auch die Entwürfe typisch Krier: die Figuren bewegt, lebendig, expressiv; ihre Namen in seiner schwungvollen, allen Wormser Kunstfreunden bekannten Handschrift ausgeführt. Und auch bei der abschließenden Umsetzung in Ton ist es Krier gelungen, die charakteristische Dynamik der Entwürfe beizubehalten. „Es war mir wichtig, die Lebendigkeit der Entwürfe auf die Glockenhaut zu übertragen“, sagt der Künstler, der für seine akribische Arbeit übrigens unter anderem auch die ihm überlassenen Werkzeuge des 1984 verstorbenen Wormser Bildhauers Adam Antes verwendet.

Krier hat sich von Grund auf mit der Technik des Glockengießens vertraut gemacht und war mehrfach in Sinn, um das traditionelle Lehm-Schablonen-Verfahren des alteingesessenen Handwerksbetriebs kennenzulernen. Nicht zuletzt hängt von der millimeterpräzisen Ausführung der Glockenzier der optimale Klang der fertigen Glocke ab. Daneben hat er so viel wie möglich über das Leben und Wirken der darzustellenden Heiligen recherchiert, wobei ihn sein Freund Richard Schimanski unterstützt hat, und hat schließlich für jede Figur ein aussagekräftiges Symbol entwickelt, etwa den Grundriss der Rupertikirche für den heiligen Rupert, das Stadtwappen für St. Amandus, den Dom für das kaiserliche Paar, das bei der Domweihe 1018 höchst wahrscheinlich anwesend war.

Rund um die Uhr mit den Gedanken bei der Arbeit

Für seine Bischofsfiguren hat sich Klaus Krier die liturgischen Gewänder, die Mitren, den Hirtenstab auf zahllosen Abbildungen angeschaut. Er hat bündelweise Detailzeichnungen gemacht und immer wieder verändert, verbessert. Große Sorgfalt hat er auf die Hände, Träger wichtiger Botschaften, verwendet, bis sie seinen Vorstellungen entsprachen.

Mit der gleichen Hingabe hat der Künstler, der gesteht, dass er mit Gedanken an seine Arbeit eingeschlafen und aufgewacht ist, auch die Rückseiten der Glocken gestaltet. Mal hat er die Inschrift auf kleine Täfelchen untereinander gesetzt, mal in schwingenden Bögen angeordnet, mal hat er zwei schlanke Kreuze nebeneinandergestellt, die die Ökumene versinnbildlichen, mal ein Kreuz, das sich nach oben hin auflöst wie eine offene Frage. Für den gelernten Schriftenmaler spielte auch die Schriftgestaltung eine große Rolle. Er hat vorhandene Schrifttypen überarbeitet, bis er sie seinem künstlerischen Empfinden entsprachen und eine ganz eigene Schrift entwickelt, und zwar ausschließlich in Großbuchstaben. „Alles andere gibt keine Kraft“, weiß er.

Jede Phase seiner Arbeit wurde von Fotograf Stefan Blume, selbst Künstler, in herausragenden, atmosphärischen Fotografien dokumentiert. Blume wird auch den Höhepunkt des Prozesses, das Gießen der Glocken am 2. Februar und am 2. März, begleiten. Das wird auch für Klaus Krier ein ganz besonderer Tag werden. Nun endlich wird er sehen, wie sich das Werk vieler Monate auf der schimmernden Glockenhaut ausnehmen wird, ob es dem neuen Himmelsgeläut tatsächlich zur Zier gereichen wird.