04.03.2018 – Wormser Zeitung

Die fünf neuen Glocken für den Wormser Dom sind nun fertig – Einläuten am Pfingstsamstag

Von Johannes Götzen

WORMS – Jetzt sind auch die letzen beiden Glocken gegossen, die zum tausendjährigen Bestehen des Wormser Domes das Geläut vervollständigen werden. Eine zweite, noch einmal größere Gruppe besuchte am vergangenen Freitag die Glockengießerei Rincker in Sinn bei Wetzlar, um im entscheidenden Moment dabei zu sein: Wenn die 1.100 Grad heiße Glockenbronze aus dem Kessel zischend und brodelnd durch die Rinnen in die Glockenformen fließt. Der Chef der Kunst- und Glockengießerei, Hanns Martin Rincker, war nach der Prozedur sehr zufrieden: „Der Guss ist gelungen.“ Ob auch die Glocken selbst gelungen sind, wird sich frühestens in einer Woche zeigen, wenn die äußeren Formen aufgebrochen wird.

Dafür konnte die Gruppe unverhofft zum ersten Mal hören, wie die größte neue Glocke für den Dom klingt. Die war bereits vor vier Wochen mit zwei weiteren gegossen worden und stand nun als Rohling in der Werkstatt. Die 2.700 Kilogramm schwere Glocke, die dem Heiligen Amandus, Patron der Stadt Worms und dem Missionar Heiliger Rupert gewidmet ist, wurde mittels Kran kurz angehoben, dann konnte Christian Rincker, jüngster Metall- und Glockengießer der Familie in mittlerweile 14. Generation, sie mit einem Klöppel zum Schwingen bringen. Der Klang füllte sofort die große Halle der Gießerei und zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Umherstehenden. Wobei der Ton noch nicht exakt stimmt, wie Hanns Martin Rincker erläuterte, er ist noch etwas zu hoch. An der Innenwand muss also noch etwas Material abgeschliffen werden, der Klangraum wird damit größer, der Ton tiefer.

Kosten: 341.000 Euro

Insgesamt wird der Dom zu seinen bisherigen drei Glocken fünf neue Glocken bekommen. 341.000 Euro kostet dieses Projekt, das der Dombauverein seit rund drei Jahren vorantreibt. Zwei Drittel der Kosten sind durch große Einzelspenden und viele Kleinspenden bislang gedeckt. Vorsitzender Dr. Udo Rauch ist zuversichtlich, auch den Rest noch rechtzeitig zusammen zu bekommen. „Das ist für mich heute ein ganz besonderer Tag“, sagte Rauch, wie die ganze Besuchergruppe erkennbar beeindruckt vom Glockenguss, der tatsächlich noch exakt so vonstatten geht, wie im Mittelalter. Das bedeutet für die Glockengießer: Wenn der Guss daneben geht, sind sechs bis acht Wochen vorher geleistet Arbeit umsonst gewesen.

Propst am Dom Tobias Schäfer hatte mit der Gruppe unmittelbar vorm Guss das Segensgebet gesprochen. In vier Wochen, an Ostermontag, werden alle fünf Glocken im Dom geweiht werden. Auch die aktuellen drei Glocken waren an Ostern geweiht worden, das war im Jahre 1949. Wenn die fünf Glocken in Worms ankommen, werden sie zunächst voraussichtlich im Westchor in ein Gestell gehängt, damit sie frei schwingen können und damit dort, noch im Kirchenraum, zur Weihe auch erklingen können.

Glockenstühle in den beiden Ost-Türmen

Parallel werden in den beiden Ost-Türmen die Glockenstühle eingebaut. Bis Pfingsten sollen die Glocken dann an Ort und Stelle hängen. Voraussichtlich am Abend des Pfingstsamstags sollen sie dann im Turm erstmals erklingen, kündigt Propst Schäfer an. Bei diesem „Einläuten“ sollen auch die Glocken der anderen Innenstadt-Kirchen mit einstimmen. Denn neben der Vervollständigung des Dom-Geläutes ist es Ziel, ein ökumenisches Stadtgeläut zu schaffen. Dieses soll an diesem Abend erstmals zu hören sein.